Entscheidung für die Variante 8.7. für die Königsbrücker gefallen

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 23. Juni 2016 mit den Stimmen der GRÜNEN, der SPD und am Ende auch der Linken entschieden, dass die Variante 8.7. gebaut werden soll. Damit löst die Kooperation nicht nur ein Wahlversprechen ein, sondern beendet – hoffentlich! – den zwanzigjährigen Streit um die Sanierung der Königsbrücker Straße. Die Linke hatte es am Schluss noch einmal spannend gemacht. Obwohl sich der Verkehrsexperte der Fraktion, Tilo Wirtz, frühzeitig für die Variante 8.7. ausgesprochen hatte, konnte sich die Fraktion erst in der Schlussabstimmung dazu durchringen. Dagegen hatten die linken Ortsbeiräte in der Neustadt ohne Zögern zugestimmt. CDU, FDP und AfD stellten erwartungsgemäß die Vierspurvariante 7 zur Abstimmung und verloren.

Was bringt nun die Kompromissvariante 8.7.? Die Befürworter der 8.4. hatten in den letzten Wochen den Eindruck erweckt, auch die 8.7. sei eigentlich genauso schlimm sei wie die V.7. Dagegen ist richtig: die 8.7. ist zwischen Louisenstraße und Bischofsweg einschließlich der Radwege genauso schmal wie die 8.4., nämlich etwa gut 12m. Weder muss die Bäckerei Rißmann abgerissen werden, noch werden die Gehwege auf der Westseite verkleinert. Im Gegenteil: in der Geschäftszone werden die vorhandenen Fußwege faktisch erweitert, da zusätzlich ein eigener Radweg gebaut wird. Jetzt gilt es, die so eröffneten städtebaulichen Chancen in der urbanen Zone zwischen Louisenstraße und Bischofsweg entschlossen zu nutzen. Der Beschluss des Ortsbeirats Neustadt, den sich Rot-Grün-Rot im Stadtrat zu eigen machte, weist hier den richtigen Weg: Auf der Ostseite können im Bereich Schauburg und vor der Kreuzung Louisenstraße – Lößnitzstraße neue Stadtplätze mit Bäumen, Sitzgelegenheiten und Außengastronomie geplant werden. Dafür stehen jeweils etwa 12m zur Verfügung. Das denkmalgeschützte Ensemble des “Trollhuses” mit seinem Vorgarten und Zaun wird erhalten werden, ebenso die naturschutzrechtlich geschützte stadtbildprägende Flatterulme.

Es blieb dem Lautsprecher der FDP, Holger Zastrow, vorbehalten, diese Erfolge als “Flatterulmen-Umarmen” ins Lächerliche zu ziehen. Dr. Böhme-Korn (CDU) entdeckte in der Debatte sein Herz für Radfahrer und beklagte, dass diese durch die Autos neben ihnen auf der einzigen gemeinsamen Fahrbahn mit der Straßenbahn gefährdet würden. Dagegen ist mit der Stadtverwaltung festzuhalten: Die Verlegung der stadtwärtigen Haltestelle hinter die Schauburg ermöglicht am Bischofsweg in stadtwärtiger Richtung einen Rechtsabbieger für PKW. Damit hat die 8.7. für die Hauptverkehrsstraße Königsbrücker dieselben Verkehrsqualitäten für PKW und Straßenbahnen wie die wesentlich breitere Variante 7. Denn die Durchlassfähigkeit einer Straße wird nicht durch ihre Breite, sondern ihre Kreuzungen bestimmt. Wenn die konservative Seite des Stadtrats dennoch für die 7 stimmt, betreibt sie keine rationale Mobilitätspolitik.

Die Variante 8.4. sah auch im südlichen Abschnitt zwischen Albertplatz und Katharinenstraße sowie im nördlichen zwischen Bischofsweg und Olbrichtplatz nur eine Breite von etwa 12 m vor. Unzweifelhaft hätte dies städtebauliche Vorteile gehabt, weil mehr Vorgärten hätten erhalten werden können. Die 8.4. wies jedoch für Autos und Straßenbahn erheblich schlechtere Werte auf, als die 7 und die 8.7. Diese Nachteile hätten die Planfeststellung durch die Landesdirektion erheblich gefährdet, weil die städtebaulichen Vorteile gegen die verkehrlichen Nachteile zumindest nicht so offensichtlich waren, wie im mittleren Abschnitt.

Die Polemik der 8.4.-Befürworter richtete sich insbesondere gegen das eigene Gleisbett der Straßenbahn in diesen Abschnitten der 8.7. Dieses ist erforderlich, um nach den stark belasteten Kreuzungen am Albert- und Olbrichtplatz eine sichere Pulkführerschaft der Bahn vor den Autos zu gewährleisten. Zudem hielt die Verwaltung die Einfädelung von zwei Fahrspuren auf eine gemeinsame mit der Bahn hinter dem Albertplatz für nicht verkehrssicher. Die Befürworter der 8.4. müssen sich schon fragen lassen, ob sie tatsächlich für die dringend nötige Verbesserung des modal split zugunsten des Umweltverbunds aus Straßenbahn, Rad. und Fußverkehr sind. Weitere Nachteile der 8.4. waren der erhöhte Schleichverkehr im Nebenstraßennetz sowie eine nicht vollständig barrierfreie Haltrstelle an der Tannenstraße.

Die schnelle Erarbeitung der Genehmigungsplanung wird weiter durch die Lenkungsgruppe aus Vertretern der Stadtratsfraktionen und der Verwaltung begleitet werden.